Potablog 1338.at Header

 
In einem meiner letzten Dienste am RTW wurden wir zu einem männlichen 30 jährigen Patienten gerufen, der nach Medikamenteneinname plötzlich über Atemnot und Unwohlsein klagt. NEF und RTW wurden parallel alarmiert.
Der RTW trifft deutlich vor dem NEF ein und der Patient begrüßt das Team im Stiegenhaus vor seiner Wohnung "Ich bin extra heraus, weils in der Wohnung so ausschaut", trotzdem haben wir ihn erstmal in seine Wohnung gebeten um uns einen besseren Eindruck zu verschaffen. Es imponiert eine total verdreckte, abgewohnte Wohnung mit deutlichen Zeichen von (i.v.) Drogenabusus, Nikotinabsus sowie unzählige Bierdosen.
Ersteindruck:
A: frei
B: Orthopnoe, Lunge beidseits gut belüftet, keine Spastik oder Rasselgeräusche, SpO2 98%, AF 12
C: Radialis Puls kräftig aber deutlich tachykard, Haut rosig, keine Zeichen einer Zyanose, Abdomen weich, RR (im Verlauf erhoben 130/80)
D: mittelweite Pupillen, verlangsamt lichtreaktiv, rund, isochor, GCS 15, grob neurolog. unaufällig.
E: keine Verletzungen, aber Einstichstellen an beiden Unterarmen.

Symptoms: Derzeit hat er das Gefühl nicht genug Luft zu bekommen, hat Schüttelfrost, Schmerzen im ganzen Körper.
Allergien: Patient berichtet keine Allergien zu haben, als
Dauermedikation listet er auf: Mogadon, Substitol, Depakine, Trittico und seit heute Revia. Er hat bekannte Hepatitis-C, ist Alkohol und Opiatabhängig.
Der Patient gibt auf Nachfrage an, dass er das Substitol spritzt und seit 2 Wochen versucht einen Alkoholentzug zu machen. Bisher trankt er 10-15 Bier pro Tag, gestern zuletzt 2 Bier.


Nach einer allergischen Reaktion sieht das erstmal nicht aus. Alle Medikamente bis auf Revia waren uns bekannt. So haben wir mal einen kurzen Blick in den Beipacktext geworfen und folgendes gefunden:
ZitatEIGENSCHAFTEN: Opiatantagonist
ANWENDUNGSGEBIET: Zur Unterstützung der Abstinenz nach Alkoholentzug (im Rahmen eines umfassenden Therapieprogramms).
DOSIERUNG: Vor Behandlungsbeginn muss Patient opiatfrei sein
KONTRAINDIKATIONEN: Opiatabhängigkeit, Opiat-Entzugserscheinungen, schwere Leberschäden, akute Hepatitis, schwere oder akute Lebererkrankung
HINWEISE: Bei Opiatabhängigen lebensgefährliches Entzugssyndrom möglich. Leberfunktion kontrollieren.

Wir hatten genug gelesen um festzustellen, dass der Arzt dem Patienten vermutlich Helfen wollte, ihn jedoch direkt damit in den kalten Entzug geschickt hat. Eine Therapie dafür gibt es präklinisch nicht und so mussten wir unterstützend wirken und haben den Patienten schlicht hospitalisiert.
Das NEF traf ein als wir mit dem Patienten beim RTW angelangt waren und konnte sodann wieder den Heimweg antreten. Der Transport auf eine Interne Abteilung in ein Krankenhaus der Maximalversorgung (war gleichzeitig das Nächste ;-)) verlief ohne Zwischenfälle.
Direktlink  Kommentare: 0 geschrieben von potassium am Dienstag, 18.09.2012, 16:19
Eingeordnet unter: RTW, Rettung

Kommentar(e):
Es wurden noch keine (öffentlichen) Kommentare eingetragen.

Kommentar hinzufügen

Name*:
E-Mail-Adresse*: (Wird nicht veröffentlicht!)
WWW:


Text *:

HTML ist in den Kommentaren deaktiviert, alternativ können Sie aber (ausgewählte) bbCode-Befehle benutzen.

Privater Kommentar (Ist nur für den Autor des Eintrags lesbar.)
Benachrichtige mich, wenn es Antworten auf meinen Kommentar gibt.
Meine Eingaben merken.

Bitte geben Sie folgenden Antibot-Code ein:
Auth-Code
Antibot-Code*: