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Vorigen Montag habe ich mit meiner Diplomarbeit am Institut für Angewandte Synthesechemie der TU Wien angefangen. Ich werde im Bereich der Zwei Photonen Polymerisation Forschen. Mehr Details dazu eventuell später.
Derzeit habe ich einiges an Literatursuche hinter mir und nun bin ich seit fast einer Woche daran meine Edukte für die erste Reaktion aufzureinigen und zu trocknen, was sich als überaus schwierig herausstellt.

Außerdem war voriges Wochenende Oktobärfest, wo ich weit über 24 Stunden (mit 4 Stunden Schlaf) im Einsatz war. Es war aber ein voller Erfolg und hat riesen Spaß gemacht!

So komme ich insgesamt auf sehr imposante Arbeitswochen und dementsprechend wenig "Freizeit".
Direktlink  Kommentare: 0 geschrieben von potassium am Dienstag, 13.11.2012, 22:08
Eingeordnet unter: Chemie, Rettung, Uni


In einem meiner letzten Dienste wurden mein Team und ich mit dem RTW zu einem Patienten gerufen, dessen Freunde sich sorgen um ihn machten. Besagter Patient war aus dem Spital effugiert und sah keinen Grund dort wieder hin zurückzukehren. Er hatte eine Latte an Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, COPD, Hyperlipidämie, paroxysmales Vorhofflimmern, bereits einen Schlaganfall und angeblich eine beginnende Demenz und wie könnte es anders sein auch Diabetes Mellitus.
Seine Vitalwerte waren nicht bedrohlich, aber auch nicht schön ebenso das EKG bei dem ein bisfaszikulärer Block zu sehen war, welcher allerdings vorbekannt war.
Auch die Liste der Dauermedikation las sich beeindruckend: Simvastatin, Thrombo-ASS, Digimerck, Lasix in zwei Dosierungen, Nitrolingual b.B., Berodualin DAe, Seretide, Glucophage und neben noch ein paar anderen noch Cialis.
Wir haben es dann mit allen Mitteln und Tricks versucht den Patienten dazu zu bewegen mit uns wieder zurück ins Spital zu fahren. Das hat er jedoch komplett verweigert. Auch seine zwei betrunken Freunde machten die Sache nicht einfacher.
Da der Patient auf Grund der Situation von uns nicht belassen werden konnten musste Abhilfe her: Also wurde ein Notarzt verständig, der den Patienten erneut untersuchte und dann seine reversfähigkeit feststellte.
Warum ich das ganze schreibe? Nachdem mir die Dauermedikations ins Auge gestochen ist und die fatale Kombination von Cialis und Nitrolingual bereits Unbehagen bescherte, fragte ich den Patient, ob er denn diese beiden Präparate gemeinsam einnehme. Seine Antwort darauf
ZitatNaaaaaaaaaaaaaa, des is dafür damit da Beidl steht.......
und ist in schallendes Gelächter ausgebrochen.....Wir mussten auch etwas mehr als schmunzeln :D

Zusatzinformation:
Der Wirkstoff des Medikamentes Cialis ist Tadalafil und ist ein sog. Phosphodiesterase-5-Hemmer. In Kombination mit dem NO-Donator Nitroglycerin (Wirkstoff vom Präparat Nitrolingual) kommt es zu einem Überangebot an NO (Stickstoffmonoxid) und dadurch zu einer sehr starken und unerwünschten Blutdrucksenkung, die oft lebensbedrohlich sein kann. Aus diesem Grund müssen zwischen der Gabe von Nitroglycerin und der letzten Einnahme von PDE-5-Hemmern wie Cialis, Viagra oder Levitra mindestens 24 besser jedoch 36 Stunden vergangen sein.
Direktlink  Kommentare: 2 geschrieben von potassium am Donnerstag, 01.11.2012, 11:12
Eingeordnet unter: Breitenschulung, Medizin, Rettung


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Direktlink  Kommentare: 0 geschrieben von potassium am Mittwoch, 31.10.2012, 15:55


In einem meiner letzten Dienste am RTW wurden wir zu einem männlichen 30 jährigen Patienten gerufen, der nach Medikamenteneinname plötzlich über Atemnot und Unwohlsein klagt. NEF und RTW wurden parallel alarmiert.
Der RTW trifft deutlich vor dem NEF ein und der Patient begrüßt das Team im Stiegenhaus vor seiner Wohnung "Ich bin extra heraus, weils in der Wohnung so ausschaut", trotzdem haben wir ihn erstmal in seine Wohnung gebeten um uns einen besseren Eindruck zu verschaffen. Es imponiert eine total verdreckte, abgewohnte Wohnung mit deutlichen Zeichen von (i.v.) Drogenabusus, Nikotinabsus sowie unzählige Bierdosen.
Ersteindruck:
A: frei
B: Orthopnoe, Lunge beidseits gut belüftet, keine Spastik oder Rasselgeräusche, SpO2 98%, AF 12
C: Radialis Puls kräftig aber deutlich tachykard, Haut rosig, keine Zeichen einer Zyanose, Abdomen weich, RR (im Verlauf erhoben 130/80)
D: mittelweite Pupillen, verlangsamt lichtreaktiv, rund, isochor, GCS 15, grob neurolog. unaufällig.
E: keine Verletzungen, aber Einstichstellen an beiden Unterarmen.

Symptoms: Derzeit hat er das Gefühl nicht genug Luft zu bekommen, hat Schüttelfrost, Schmerzen im ganzen Körper.
Allergien: Patient berichtet keine Allergien zu haben, als
Dauermedikation listet er auf: Mogadon, Substitol, Depakine, Trittico und seit heute Revia. Er hat bekannte Hepatitis-C, ist Alkohol und Opiatabhängig.
Der Patient gibt auf Nachfrage an, dass er das Substitol spritzt und seit 2 Wochen versucht einen Alkoholentzug zu machen. Bisher trankt er 10-15 Bier pro Tag, gestern zuletzt 2 Bier.


Nach einer allergischen Reaktion sieht das erstmal nicht aus. Alle Medikamente bis auf Revia waren uns bekannt. So haben wir mal einen kurzen Blick in den Beipacktext geworfen und folgendes gefunden:
ZitatEIGENSCHAFTEN: Opiatantagonist
ANWENDUNGSGEBIET: Zur Unterstützung der Abstinenz nach Alkoholentzug (im Rahmen eines umfassenden Therapieprogramms).
DOSIERUNG: Vor Behandlungsbeginn muss Patient opiatfrei sein
KONTRAINDIKATIONEN: Opiatabhängigkeit, Opiat-Entzugserscheinungen, schwere Leberschäden, akute Hepatitis, schwere oder akute Lebererkrankung
HINWEISE: Bei Opiatabhängigen lebensgefährliches Entzugssyndrom möglich. Leberfunktion kontrollieren.

Wir hatten genug gelesen um festzustellen, dass der Arzt dem Patienten vermutlich Helfen wollte, ihn jedoch direkt damit in den kalten Entzug geschickt hat. Eine Therapie dafür gibt es präklinisch nicht und so mussten wir unterstützend wirken und haben den Patienten schlicht hospitalisiert.
Das NEF traf ein als wir mit dem Patienten beim RTW angelangt waren und konnte sodann wieder den Heimweg antreten. Der Transport auf eine Interne Abteilung in ein Krankenhaus der Maximalversorgung (war gleichzeitig das Nächste ;-)) verlief ohne Zwischenfälle.
Direktlink  Kommentare: 0 geschrieben von potassium am Dienstag, 18.09.2012, 16:19
Eingeordnet unter: RTW, Rettung


Auch diese Hürde wäre geschafft: Habe heute die Prüfung zum Notfallsanitäter mit allgemeiner Notfallkompetenz Venenzugang und Infusion mit Auszeichnung bestanden.

Picture



Somit darf ich neben meinen Medikamenten, welche ich bereits mit der NKA geben durfte auch noch kristalloide Infusionen sowie Glucose Infusionen anhängen und selbstständig periphervenöse Zugänge legen.
Dazu sagt das Sanitätergesetz folgendes:
Zitat§ 11. (1) Notfallsanitäter können die Berechtigung zur Durchführung folgender allgemeiner Notfallkompetenzen erwerben:
1. Arzneimittellehre, das ist die Verabreichung spezieller Arzneimittel, soweit diese zuvor durch den für die ärztliche Versorgung zuständigen Vertreter der jeweiligen Einrichtung gemäß § 23 Abs. 1 schriftlich zur Anwendung freigegeben wurden (Arzneimittelliste 2), und
2. Venenzugang und Infusion, das ist die Punktion peripherer Venen und Infusion kristalloider Lösungen, jeweils im Rahmen von Maßnahmen zur unmittelbaren Abwehr von Gefahren für das Leben oder die Gesundheit eines Notfallpatienten, soweit das gleiche Ziel durch weniger eingreifende Maßnahmen nicht erreicht werden kann.

(2) Voraussetzung für die Durchführung allgemeiner Notfallkompetenzen ist
1. die Berechtigung des Notfallsanitäters hiezu auf Grund der jeweiligen erfolgreich absolvierten Ausbildung gemäß §§ 38 bis 40 und
2. die Anweisung eines anwesenden Arztes oder
3. sofern ein Arzt nicht anwesend ist, die vorangehende Verständigung des Notarztes oder die Veranlassung derselben.


Nächste Stufe ist nun der NKI - Notfallsanitäter mit besonderer Notfallkompetenz Beatmung und Intubation
Zitat§ 12. (1) Der Notfallsanitäter kann entsprechend dem Stand der medizinischen Wissenschaft die Berechtigung zu weiteren Tätigkeiten, insbesondere zur Durchführung der endotrachealen Intubation ohne Prämedikation und endotrachealen Vasokonstriktorapplikation (Beatmung und Intubation), erwerben.

(2) Voraussetzung für den Erwerb der Berechtigung gemäß Abs. 1 ist
1. die Berechtigung zur Durchführung der allgemeinen Notfallkompetenzen gemäß § 11 und
2. die erfolgreiche Absolvierung der Ausbildung gemäß §§ 41 und 42.

Die Berechtigung ist vom erfolgreichen Abschluss der Ausbildung an mit zwei Jahren befristet und darf erst nach Überprüfung der Kenntnisse gemäß § 51 Abs. 3 (Rezertifizierung) neuerlich erteilt werden.

(3) Voraussetzung für die Durchführung der Tätigkeiten gemäß Abs. 1 ist
1. eine schriftliche Ermächtigung durch den für die ärztliche Versorgung zuständigen Vertreter der jeweiligen Einrichtung gemäß § 23 Abs. 1 und
2. eine entsprechende Anweisung eines anwesenden Arztes oder
3. sofern ein Arzt nicht anwesend ist, die vorangehende Verständigung des Notarztes oder die Veranlassung derselben.

Das wird aber noch zumindest ein Jahr dauern fürchte ich.
Direktlink  Kommentare: 6 geschrieben von potassium am Dienstag, 11.09.2012, 16:51


Die schlanke Abkürzung SAD PERSONS klingt wie der Name einer Studie, ist jedoch ein Mittel um die Suizuidalität einer Person abzuschätzen und wurde von Patterson et al. vorgeschlagen.
Dabei steht diese Abkürzung für die Risikofaktoren
  • Sex: Männlich
  • Age/Alter: ältere Personen
  • Depression
  • Previous attempt / vorangeganger Suizidversuch
  • Ethanol (Alkohol) missbrauch
  • Rationales denken nicht möglich
  • Sozialer Rückhalt fehlt
  • Organisierte/durchdachte Pläne für den geplanten Suizid
  • No spouse / kein Partner
  • Sickness / vegetative Erkrankung


Näheres dazu kennt die englische Wikipedia - SAD PERSONS Scale.
Sehr interessant ist dazu auch folgendes Paper aus der Zeitschrift Notfall + Rettungsmedizin: Person droht zu springen (Volume 14, Number 6 (2011), 491-496, DOI: 10.1007/s10049-011-1448-6).
Direktlink  Kommentare: 0 geschrieben von potassium am Sonntag, 02.09.2012, 13:46


Nachdem ich seit Anfang Juni NFS-NKA bin, habe ich nun am Samstag den NKV-Kurs(Allgemeine Notfallkompetenz Venenzugang und Infusionen) besuchen dürfen.
Habe nun die theoretische Fertigkeit erlernt in eine periphere Vene eine Venenverweilkanüle zu applizieren und werde dieses theoretische Wissen im August im Rahmen eines Spitalspraktikums im Allgemeinen Krankenhaus mit der praktischen Fertigkeit kombinieren, sprich ich geh Zugang legen üben :D.

Im September ist dann Prüfung. Apropos Prüfung: Die Uni verlangt mir im Moment einiges ab, so lerne ich gleichzeitig für die Prüfung Atemphysiologie und Beatmungstechniken sowie Anorganische Molekularchemie, außerdem hab ich morgen eine Präsentation im Rahmen der LVA Moderne 1D- und 2D-NMR-Methoden und schließlich folgt dann im Juli noch die Prüfung Medizinsche Chemie. Nicht zu vergessen mache ich gerade Wahlpraktikum im Bereich der Makromolekularchemie auf dem Institut für Angewandte Synthesechemie...Nun dann auf in eine arbeitsreiche Woche!
Direktlink  Kommentare: 0 geschrieben von potassium am Sonntag, 24.06.2012, 22:28


Folgende Situation haben sicher schon einige Sani-Kollegen in Pflegeheimen erlebt:


Aber auch die diversen Dispute mit Krankenschwestern bei Transfers


oder bei schwierigen Hypochondern


jedoch auch der ein oder andere Streit mit der Leitstelle


Alle ganz großartig! Echt empfehlenswert.
Direktlink  Kommentare: 0 geschrieben von potassium am Donnerstag, 21.06.2012, 21:35


Darf stolz verkünden, dass ich seit heute die Berechtigung zur Verabreichung spezieller Medikamente, die zuvor vom für die ärztliche Versorgung zuständigen Arzt schriftlich freigegeben wurden. In kurz: Ich habe die Prüfung zur Ausbildung allgemeine Notfallkompetenz Arzneimittellehre mit Auszeichnung bestanden.

Für die Interessierten:
Diese Notfallkompetenz berechtigt mich bei Anwesenheit und auf die Anweisung eines Arztes oder nach der Nachforderung eines Notarztes bei folgenden Krankheitsbildern Medikamente zu verabreichen (Arzneimittelliste 2). Die genaue Applikation erfolgt nach einem Algorithmus der strikt eingehalten werden muss (SOP). Geregelt ist die Gabe durch SanG §11.

  • Hypoglykämie mit verändertem Bewusstsein -> Gabe von Glucose
  • Opiatintoxikation mit Atemdepression -> Naloxon
  • Anaphylaktischer Schock -> Adrenalin
  • Herzkreislaufstillstand -> Adrenalin (Amiodaron im Falle eines schockbaren Rhytmus)
  • Cerebraler Krampfanfall -> Midazolam

Das erweitert das Medikamenten-Arsenal, dass ich bereits als Notfallsanitäter im Rahmen der Regelkompetenz verabreichen durfte (Arzneimittelliste 1).

Auch diese müssen strikt nach einem Algorithmus verabreicht werden. Die Algorithmen zur Gabe dieser Medikamente sind zumindest in Wien einheitlich. Sprich alle Notfallsanitäter bzw Notfallsanitäter mit allgemeiner Notfallkompetenz Arzneimittellehre (NKA) der Organisationen: Arbeiter Samariterbund, Johanniter Unfallhilfe, Malteser Hospitaldienst, Rotes Kreuz und Wiener Rettung (MA 70) haben die gleichen SOPs und können sich dementsprechend gut bei der Zusammenarbeit unterstützen.

In zwei Wochen folgt dann der Kurs für die allgemeine Notfallkompetenz Venenzugang und Infusion. Nach dem Kurs muss man 40 Stunden in der Notaufnahme eines Spitals ein Praktikum machen, bei dem das Legen einer Venenverweilkanüle übt und übt und übt. Ich freu mich schon!
Direktlink  Kommentare: 3 geschrieben von potassium am Dienstag, 05.06.2012, 19:50


Ketamin ist ein Arzneimittel der Extremen. Das einzige nicht-opioide Pharmakon, dass auch bei starken und stärksten Schmerzen eine Linderung bringt, jedoch auf Grund seiner narkotischen Wirkung nicht zu unterschätzen ist. Der vermutlich herausragendste Unterschied zu herkömmlichen Schmerzmitteln ist seine Wirkung einen Patienten von null auf Hundert in den Rausch seines Lebens zu schicken. Das durfte auch die junge Dame in folgendem Video erfahren:



Via Alltag im Rettungsdienst
Direktlink  Kommentare: 1 geschrieben von potassium am Sonntag, 03.06.2012, 23:56